Bob Larson / Tejanni Campbell

«Verschwinde aus diesem Körper, schwuler Dämon!»

Ein neues Video aus den USA zeigt, wie ein Prediger einem jungen Mann seine Homosexualität austreiben will. Die Praxis hat Tradition.

Der junge Mann steht in der Mitte eines Raumes. Er wirkt etwas eingeschüchtert. Im Hintergrund spielt Klaviermusik, ab und zu schreit ein Kind. An dem Jungen wird gerade Exorzismus vollzogen. Der Schwulen-Teufel wohne in seinem Körper, meint der selbsternannte Prophet Tejanni Campbell. Der Geistige sei selber schwul gewesen, erzählt er im anschliessenden Interview. Heute, nachdem man ihm die Homosexualität ausgetrieben habe, sei er Vater von sechs Kindern.

Schwulen-Exorzismen sind in den USA keine Seltenheit. Die «Besessenen» werden dabei vor einen Prediger gebracht, der ihnen den Homo-Dämon austreiben soll. Der Prediger betet, befiehlt dem Teufel, den Körper des Mannes zu verlassen. Das Opfer scheint sich zu wehren, spricht mit verstellter Stimme, wird rot im Gesicht oder übergibt sich. Ein befremdliches Schauspiel.

Nichts gelernt aus dem Fall im 2009

Im Jahr 2009 hatte ein besonderer Fall unter der Schwulengemeinde für viel Aufregung gesorgt. Nur wenige Tage vor dem 40-jährigen Jubiläum der «Stonewall Riots», der Aufstände in der New Yorker Christopher Street, als sich Homosexuelle bei einer Razzia in der Schwulen-Bar Stonewall Inn gegen Repressalien zur Wehr setzten, erschien ein Youtube-Video.

Im neunminütigen Clip krümmt und windet sich ein Junge auf dem Boden einer Kirche in Bridgeport, Connecticut. Die Kirchenmitglieder um ihn herum stehen relativ ruhig da, zu «Halleluja»-Gesängen treten einzelne Leute immer wieder an den Jungen heran, schlagen mit Handtüchern auf ihn ein und rufen den angeblich in den Jugendlichen gefahrenen Schwulen-Dämon an, den Körper zu verlassen. Auch die Pfarrerin ruft: «Homosexueller Dämon, komm ‘raus, im Namen Jesu!». Die anderen schreien mit: «Du Sex-Dämon, du Schlange»

Die Schwulen-Beratungsstelle True Colors informierte damals die Jugendbehörden des Bundesstaates Connecticut wegen möglicher Misshandlung eines Minderjährigen. Viel erreichte aber die Organisation mit der Anzeige nicht: Das Amt meinte, der Junge auf dem Video sei nicht zu Schaden gekommen. Noch immer sind die Aufnahmen im Netz zu sehen.

Quelle [18.11.2012 19:08]: http://www.20min.ch/panorama/news/story/30848803